{"id":6855,"date":"2019-01-30T17:31:18","date_gmt":"2019-01-30T17:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mytwostotinki.com\/?p=6855"},"modified":"2019-01-30T17:31:30","modified_gmt":"2019-01-30T17:31:30","slug":"christoph-hein-und-das-leben-der-anderen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mytwostotinki.com\/?p=6855","title":{"rendered":"Christoph Hein und &#8220;Das Leben der Anderen&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Christoph Hein ist ein Autor, den ich sehr sch\u00e4tze. \u00dcber seinen Artikel in der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 24. Januar <em><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/donnersmarck-hein-das-leben-der-anderen-1.4300244\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"&quot;Warum ich meinen Namen aus &quot;Das Leben der Anderen&quot; l\u00f6schen lie\u00df&quot; (opens in a new tab)\">&#8220;Warum ich meinen Namen aus &#8220;Das Leben der Anderen&#8221; l\u00f6schen lie\u00df&#8221;<\/a><\/em> (ein Vorabdruck aus einem bald erscheinenden neuen Buch von ihm) habe ich mich aber sehr ge\u00e4rgert, beim zweiten Lesen sogar noch mehr als beim ersten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zun\u00e4chst: ich will hier gar keine Filmkritik zu \u201eDas Leben der Anderen\u201c schreiben. Wie bei jedem Film, Buch oder sonstigem Erzeugnis im sch\u00f6pferischen Bereich kann man bei seiner Beurteilung zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ja, der Film ist melodramatisch \u2013 das kann man m\u00f6gen oder auch nicht. Ja, in dem Film gibt es einiges, was sich genauso in der DDR nie h\u00e4tte zutragen k\u00f6nnen. Auch das kann man verschieden sehen, entweder als fehlende historische Genauigkeit oder als k\u00fcnstlerische Freiheit des Autors, in diesem Fall des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck. Ich fand den Film gut gespielt und unterhaltsam und sicherlich auch f\u00fcr Zuschauer au\u00dferhalb des deutschen Kontexts sehenswert. Aber darum geht es mir hier nicht. Es geht mir hier um Heins Text.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Text beschreibt eine offensichtlich sehr tiefe (narzisstische?) Kr\u00e4nkung, die der Autor Christoph Hein erlitten hat und f\u00fcr die er sich mit diesem Artikel mit sehr gro\u00dfer Zeitverz\u00f6gerung r\u00e4chen m\u00f6chte. So lese ich es jedenfalls. Im Fu\u00dfball w\u00fcrde man von \u201eNachtreten\u201c sprechen. Schon die Tatsache, dass er Henckel von Donnersmarck nie beim Namen nennt &#8211; es hei\u00dft durchg\u00e4ngig \u201eder Regisseur\u201c \u2013 ist auff\u00e4llig, besonders da er im Gegensatz dazu den Schauspieler Ulrich M\u00fche, nein seinen \u201eFreund Ulrich M\u00fche\u201c, mehrfach beim Namen nennt, obwohl dieser f\u00fcr den Sachverhalt von dem die Rede ist nicht von zentraler Bedeutung ist. (Allerdings frage ich mich auch, ob die Freundschaft wirklich so gro\u00df gewesen ist, da M\u00fche anscheinend nichts davon verlauten lie\u00df, dass der Film nicht die von Hein erwartete Hein-Lebensverfilmung werden w\u00fcrde. Ein Freund h\u00e4tte wohl im Lauf der Dreharbeiten oder schon vorher vielleicht mal angerufen oder dar\u00fcber gesprochen, wenn \u2013 wie Hein es darstellt \u2013 klar war, dass dies ein Christoph-Hein-Film werden sollte.) Mit Verlaub, das ist unh\u00f6flich und wirkt arrogant, werter Christoph Hein. Sogar ein sehr gro\u00dfer und sehr junger Filmregisseur aus Westdeutschland (offenbar sind all das f\u00fcr den Autor Hein schwere Charakterfehler) hat es verdient, mit seinem Namen erw\u00e4hnt zu werden. (Der einleitende fettgedruckte Satz stammt wohl von der S\u00fcddeutschen Zeitung, ebenso wie die Artikel\u00fcberschrift.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich staune auch sehr, wieso Christoph Hein annimmt, dass sich Henckel von Donnersmarck mit niemand anderem als mit ihm unterhalten hat, bevor er den Film machte. Zudem muss man schon ein sehr gro\u00dfes Ego haben, um zu glauben, dass \u201eDas Leben der Anderen\u201c als Christoph-Hein-Biopic angelegt ist. Henckel von Donnersmarck ist kein Breloer, und es ist f\u00fcr mich geradezu absurd, dass Hein uns allen Ernstes weismachen will, dass der Regisseur eine Verfilmung seines (Heins) Lebens in der DDR geplant hatte. Wenn er schreibt \u201eIm Kino sitzend hatte ich erstaunt auf mein Leben geschaut\u201c, dann nehme ich ihm dieses Erstaunen nicht ab. So grenzenlos naiv und unverst\u00e4ndig kann Christoph Hein, der ein sehr intelligenter, kluger Mann ist, nicht gewesen sein. Ich finde diesen Satz extrem unglaubw\u00fcrdig.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ob Henckel von Donnersmarck tats\u00e4chlich davon gesprochen hat, dass er Hein \u201euns\u00e4glich dankbar\u201c ist, kann niemand entscheiden. Entweder hat sich Hein diese sprachlich missgl\u00fcckte Ausdrucksweise ausgedacht, oder wenn Henckel von Donnersmarck es so gesagt haben sollte, verstehe ich nicht, warum er diesen offenbaren Versprecher gleich zweimal herausstellt. Es soll wohl hei\u00dfen: der Regisseur, der es nicht einmal wert ist, dass ich ihn beim Namen nenne, ist eben nicht nur ein sehr gro\u00dfer, sehr junger Westdeutscher &#8211; er kann auch noch nicht einmal richtig Deutsch. Mit so einem ungebildeten, unkultivierten Kerl hatte ich, der geniale, unfehlbare Christoph Hein, auf dessen Lebensverfilmung die Welt wartete, es zu tun.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ganz schlechter Stil, werter Christoph Hein. Ich wundere mich, dass Sie so etwas n\u00f6tig haben!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn Christoph Hein allerdings davon spricht, dass er vermeidet, \u00c4u\u00dferungen von Henckel von Donnersmarck als L\u00fcge zu bezeichnen, weil es neben der Wahrheit auch noch die melodramatische Wahrheit und \u201ealternative Fakten\u201c gebe, so ist das kein schlechter Stil mehr, es ist infam. Und es f\u00e4llt auf den Autor Christoph Hein zur\u00fcck, der zwar behauptet, dass er seinen Namen aus dem Vorspann des Films l\u00f6schen lie\u00df, der aber <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"jetzt eingestehen musste (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/christoph-hein-florian-henckel-von-donnersmarck-das-leben-der-anderen-vorspann-1.4307866\" target=\"_blank\">jetzt eingestehen musste<\/a>, dass das nicht stimmt. Diesen Vorspann gab es nie, und im Nachspann ist Christoph Hein als historischer Berater bis heute genannt, zusammen mit vielen weiteren Namen von Personen, mit denen der Regisseur in diesem Zusammenhang ebenso wie mit Hein sprach. Und auch der <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Dialog zwischen Autor und Regisseur (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kino\/christoph-hein-greift-donnersmarck-an-16012665.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0\" target=\"_blank\">Dialog zwischen Autor und Regisseur<\/a> selbst fand zu einem Zeitpunkt statt, als das Filmprojekt schon sehr weit fortgeschritten war. Eine &#8220;Kleinigkeit&#8221;, die Hein ebenfalls verschweigt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ob man den Text Heins daher als Wahrheit, melodramatische Wahrheit oder \u201ealternatives Faktum\u201c bezeichnen will, ist jedem Leser selbst \u00fcberlassen. Ich habe mir meine Meinung dazu auf der Basis der Fakten und von Heins Text gebildet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Hein sch\u00e4tze ich als Autor nach wie vor, ein Autor allerdings der in diesem Fall jegliche intellektuelle Redlichkeit vermissen l\u00e4sst; der Mensch Christoph Hein ist mir nach diesem Artikel deutlich unsympathischer geworden.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><strong>\u00a9 Thomas H\u00fcbner&nbsp;and Mytwostotinki, 2014-9. Unauthorized use and\/or duplication of this material without expressed and written permission from this blog\u2019s author and\/or owner is strictly prohibited. Excerpts and links may be used, provided that full and clear credit is given to Thomas H\u00fcbner&nbsp;and Mytwostotinki with appropriate and specific direction to the original content.\ufeff<\/strong><\/pre>\n\n\n\n<h6><\/h6>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><div class=\"dmrights_badge\">\r\n\t\t<script type=\"text\/javascript\">\r\n\t\t\tcatalogCode = \"AAA-1100-01\"\t\t\r\n \t\t<\/script> \r\n\t\t<div id=\"DMR-seal\"><\/div>\r\n\t\t<script type=\"text\/javascript\" src=\"http:\/\/ipregistry_wp.dmrights.com\/dmr.js\"><\/script>\r\n\t\t<\/div><br \/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Hein ist ein Autor, den ich sehr sch\u00e4tze. \u00dcber seinen Artikel in der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 24. 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