{"id":3002,"date":"2016-07-24T13:30:57","date_gmt":"2016-07-24T13:30:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mytwostotinki.com\/?p=3002"},"modified":"2018-07-22T13:35:24","modified_gmt":"2018-07-22T13:35:24","slug":"anekdote-aus-dem-kalten-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mytwostotinki.com\/?p=3002","title":{"rendered":"Anekdote aus dem Kalten Krieg"},"content":{"rendered":"<p><strong>H. war in den ersten Jahren, nachdem er als Ergebnis schier endloser Fahrstunden den F\u00fchrerschein bei der Bundeswehr erworben hatte, ein grottenschlechter Autofahrer. Das allein w\u00e4re sicher nicht der Erw\u00e4hnung wert, jedoch wollte es eine Instanz, die wir f\u00fcr gew\u00f6hnlich gedankenlos &#8220;Schicksal&#8221; nennen, die aber einfach das Resultat b\u00fcrokratischer Prozesse war, deren Logik sich dem Normalsterblichen entzog, dass H. in seiner Dienstzeit beim Milit\u00e4r <span class=\"text_exposed_show\">&#8211; 15 Monate und 12 Tage; die 12 Tage sind eine andere Geschichte, die hier nichts zur Sache tut &#8211; nicht nur als Nachschubbuchf\u00fchrer, sondern auch als Kraftfahrer, und zwar als Chauffeur von Staffelf\u00fchrer Hauptmann Z., Dienst tun sollte. Der Staffelf\u00fchrer, ein korrekter, wenngleich manchmal leicht cholerischer Mann, sch\u00e4tzte H.&#8217;s unsicheren und leicht chaotischen Fahrstil durchaus nicht. Ein Unfall mit Sachschaden trug dazu bei, dass beide, H. und Z., der n\u00e4chsten gemeinsamen Autofahrt mit erheblicher Nervosit\u00e4t entgegensahen.<\/span><\/strong><\/p>\n<div class=\"_1dwg _1w_m\">\n<div id=\"js_9r\" class=\"_5pbx userContent\" data-ft=\"{&quot;tn&quot;:&quot;K&quot;}\">\n<div id=\"id_5794c160ba0fc6d21237415\" class=\"text_exposed_root text_exposed\">\n<div class=\"text_exposed_show\">\n<p><strong>Am betreffenden Morgen setzte sich Z. etwas z\u00f6gerlicher als sonst in den Dienstwagen, den H. steuern sollte. Nachdem der Wagen das Kasernentor passiert hatte und um die erste Kurve gebogen und das Kasernengel\u00e4nde au\u00dfer Sicht gelassen hatte, gab Z. das f\u00fcr H. \u00fcberraschende Kommando: &#8220;Anhalten!&#8221; Kaum zum Stillstand gekommen erfolgte ein noch \u00fcberraschenderes zweites Kommando: &#8220;Aussteigen! Fahrerwechsel!&#8221; Reichlich verdutzt stieg H. aus und ging um das Fahrzeug herum zur Beifahrert\u00fcr, w\u00e4hrend der entschlossen wirkende Z. sich bereits ans Steuer des Wagens gesetzt hatte. Ohne ein weiteres Wort zu wechseln fuhren Gefreiter H. und der ihn chauffierende Hauptmann Z. an diesem Tag mehrere hundert Kilometer und absolvierten, von mehreren ebenfalls schweigend verbrachten Kaffee- und Essenspausen unterbrochen ihr Tagespensum, dessen Sinn sich H. ebenso wenig erschloss wie sein Dienstposten als Fahrer.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Als sie am Abend auf der R\u00fcckfahrt wieder an den Platz kamen, wo morgens der unerwartete Fahrerwechsel stattgefunden hatte, hielt Z. den Wagen an und stieg mit dem diesmal eine Spur beil\u00e4ufiger klingenden Kommando: &#8220;Fahrerwechsel!&#8221; aus, wonach sie erneut die Pl\u00e4tze tauschten und H. die letzten 200m den Wagen mit Hauptmann Z. auf dem Beifahrersitz in die Kaserne lenkte, so dass f\u00fcr Au\u00dfenstehende keineswegs etwas Bemerkenswertes zu verzeichnen war. Dieses kleine Schauspiel f\u00fcr den Rest der Kompanie, die von dem Geheimnis, dass der Hauptmann und der Gefreiter teilten, nie etwas erfahren sollten, wiederholte sich von diesem Moment an w\u00e4hrend des \u00fcberwiegenden Teils von H.&#8217;s Dienstzeit mehrmals w\u00f6chentlich.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auf die gelegentliche Frage, wie er denn seine Milit\u00e4rzeit zugebracht habe, antwortete H. sp\u00e4ter stets wahrheitsgem\u00e4\u00df, dass er, H., diese Zeit haupts\u00e4chlich damit verbracht habe, sich von seinem Dienstvorgesetzten tagelang durch den Hunsr\u00fcck und den Westerwald chauffieren zu lassen.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Prishtina, 23.07.2016<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<pre class=\"_3x-2\">\u00a0<strong>\u00a9 Thomas H\u00fcbner\u00a0and mytwostotinki.com, 2014-6. Unauthorized use and\/or duplication of this material without expressed and written permission from this blog\u2019s author and\/or owner is strictly prohibited. Excerpts and links may be used, provided that full and clear credit is given to Thomas H\u00fcbner\u00a0and mytwostotinki.com with appropriate and specific direction to the original content.<\/strong>\r\n\r\n<\/pre>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><div class=\"dmrights_badge\">\r\n\t\t<script type=\"text\/javascript\">\r\n\t\t\tcatalogCode = \"AAA-1100-01\"\t\t\r\n \t\t<\/script> \r\n\t\t<div id=\"DMR-seal\"><\/div>\r\n\t\t<script type=\"text\/javascript\" src=\"http:\/\/ipregistry_wp.dmrights.com\/dmr.js\"><\/script>\r\n\t\t<\/div><br \/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H. war in den ersten Jahren, nachdem er als Ergebnis schier endloser Fahrstunden den F\u00fchrerschein bei der Bundeswehr erworben hatte, ein grottenschlechter Autofahrer. 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