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Einige Anmerkungen zur neuen bulgarischen Celan-Ausgabe

Nachdem zwei frühere Auswahlbände mit Gedichten von Paul Celan aus den Jahren 1998 und 2002 längst vergriffen sind, ist es ein erfreuliches Ereignis, dass Ende 2019 erneut ein Band mit ausgewählten Gedichten Celans in bulgarischer Übersetzung vorliegt. Grund genug für mich, mir diese Ausgabe anzuschaffen. Ein paar Gedanken zu diesem Buch:

Zunächst einige Äußerlichkeiten, die mir allerdings bei einem Werk gerade eines mir so kostbaren Autors wie Celan wichtig sind. Der vorliegende Band ist handwerklich offenbar gut gemacht und hat eine ansprechende Einbandgestaltung (unter Verwendung eines Gemäldes des Dichters Roman Kissiov). Sehr erfreulich ist die Tatsache, dass es sich um eine zweisprachige Ausgabe handelt; der des Deutschen kundige Leser kann hier jeweils direkt das Original und die Übersetzung, die sich im Druckbild gegenüberstehen, miteinander vergleichen. Für die Entscheidung, die Gedichte auch im deutschen Original zu bringen, ist der Verlag sehr zu loben. Ich würde mir derartige zweisprachige Ausgaben auch in anderen vergleichbaren Fällen wünschen.

Auch die Auswahl der in den Band aufgenommenen Gedichte erscheint mir im allgemeinen gelungen; es versteht sich von selbst, dass jeder Celan-Leser seine Lieblingsgedichte hat, die er gerne in einem solchen Band sehen möchte. Und es versteht sich ebenfalls von selbst, dass jede Auswahl subjektiv ist und daher auch der neue Band ein paar aus meiner Sicht bedauerliche Lücken hat. Vor allem das Fehlen des Gedichts „Todtnauberg“, das auf Celans sehr wichtige Begegnung mit Martin Heidegger anspielt und in seinem Werk eine Schlüsselstellung einnimmt, erscheint mir allerdings als ein wirkliches Manko. Ein grosses Plus wiederum ist die Tatsache, dass Celans einzige längere programmatische Äußerung zu seiner eigenen Lyrik, die „Meridian“-Rede, die er 1960 in Darmstadt anlässlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises hielt, in den Band aufgenommen wurde.

Celan ist für jeden Übersetzer, der sich an seinem Werk versucht, eine Herausforderung. Er ist aus verschiedenen Gründen schwer zu übersetzen bzw. nachzudichten. Das gilt besonders für seine späten Gedichte, in denen die Syntax und die Sprache allgemein immer stärker „aufgebrochen“ wird und die bei Celan ohnehin vorhandene Tendenz zu grosser Ambiguität hinsichtlich der Aussage und des Inhalts der Gedichte oft so weit getrieben wird, dass der Leser vor großen Herausforderungen steht. Dass die Übersetzerin Maria Slavcheva sich trotzdem an das Werk dieses sehr komplexen Dichters gewagt hat, verrät Mut und eine gute Portion Selbstbewusstsein.

Literarisches Übersetzen, zumal von Lyrik, erfordert vom Übersetzer viele zum Teil schwierige Entscheidungen zu treffen. Bei der Besprechung der Übersetzung eines Lyrikbandes sollte es daher auch darum gehen, ob die vom Übersetzer getroffenen Entscheidungen in der Regel plausibel oder nicht plausibel sind. (Es gibt hier oft kein klares „richtig oder falsch“; von groben sinnentstellenden Fehlern einmal abgesehen.) Mein persönliches Urteil ist hier überwiegend positiv: in vielen der übersetzten Gedichte trifft die Übersetzerin den Sinngehalt und auch die Form, die Celans Original vorweist. Einige kritische Anmerkungen sollen allerdings an dieser Stelle nicht verschwiegen werden.

Celans wohl berühmtestes Gedicht „Todesfuge“ ist wahrscheinlich auch sein am häufigsten übersetztes. Auf bulgarisch kenne ich ein halbes Dutzend verschiedene Übersetzungen dieses Gedichts, von denen mir die Version von Emanuil Vidinski als die mit Abstand gelungenste erscheint. Im Original finden sich diese Zeilen:

„… der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau / er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau…“

Die Tatsache, dass Celan hier – aber eben auch nur hier – einen Endreim in diesem Gedicht verwendet, deutet auf die geradezu zentrale Rolle dieser beiden Zeilen im Gedicht hin. Der Endreim ist kein Zufall – wie ja auch sonst nichts in den Gedichten Celans Zufall ist.

In der vorliegenden Ausgabe werden diese Zeilen wie folgt übersetzt:

“…смъртта е майстор от Германия със сини очи / той те улучва с оловен куршум улучва те точно…”

Im Vergleich dazu heißt es bei Vidinski:

„…смъртта е германски маестро окото му е синьо / улучва те с оловен куршум улучва те точно…“

Die zweite Variante ist sowohl sprachlich näher beim Original, als auch hinsichtlich Reim und Rhythmus des Gedichts eindeutig vorzuziehen.

Neben einigen weiteren für mich schwer nachvollziehbaren Entscheidungen gerade bei diesem Gedicht, hat die Übersetzerin unglücklicherweise einen meiner Meinung nach ausgesprochen schweren Lapsus in der bulgarischen Fassung der „Todesfuge“ begangen, der durchaus in den Sinngehalt des Gedichts eingreift und welcher Leser, die mit Celan und seiner Geisteswelt nicht oder wenig vertraut sind, auf eine vollkommen falsche Spur führt.

Wenn Celan in dem Gedicht

„dein goldenes Haar Margarete / dein aschenes Haar Sulamith“

schreibt, evoziert er damit eben nicht nur irgendeine blonde (deutsche) Margarete und irgendeine (jüdische) Sulamith mit aschfarbenem Haar, sondern er spielt natürlich auf Margarete aus Goethes „Faust“ und Sulamith aus dem Hohen Lied Salomos an, zwei emblematische Dichtungen für das deutsche und das jüdische Volk – wie ja überhaupt, das Deutsche und das Jüdische bei diesem Dichter geradezu schicksalhaft miteinander verwoben waren.

Celan, der die Möglichkeiten deutscher Dichtung nach dem Holocaust erneuert und erweitert hat wie kein Zweiter, beherrschte die deutsche Sprache virtuos; zu den Schuldgefühlen, die er wegen des Todes seiner Eltern hatte, gesellten sich gerade deshalb die Schuldgefühle, in der Sprache der Mörder seiner Eltern zu dichten und seine meisten Leser im Land der Täter zu haben. Wenn die Übersetzerin in ihrer Fassung aus Margarete eine Margarita macht (твоята златна коса Маргарита / твоята пепелива коса Суламит), verfälscht sie die Aussage des Gedichts vollkommen; der Leser wird vielleicht an Bulgakov denken, aber mit der offensichtlichen Autorintention von Celan hat das absolut nichts zu tun. Ein wirklich unnötiger und sehr schwerer Fehler in meinen Augen (den auch Tekla Sugareva und Edvin Sugarev in ihrer Version seinerzeit gemacht haben), der die Vermutung nahelegt, dass die Übersetzerin wohl mit den Hintergründen von Celans Dichtung verhältnismäßig wenig vertraut ist.

Gestolpert bin auch über eine Fußnote zu einem der zentralen Gedichte Celans, „Mandorla“. In der Fußnote erfährt der Leser, dass Mandorla die „mandelförmige Aureole, die in der christlichen Ikonographie verwendet wird“ sei. Zwar ist es zutreffend, dass der Heiligenschein christlicher Heiligenbilder als Mandorla bezeichnet wird; trotzdem ist die Fußnote irreführend, da eben nicht nur in der christlichen Ikonographie eine solches mandelförmiges Halo verwendet wird. Es findet sich unter anderem auch im Buddhismus und – für Celan sicher sehr wichtig – in der Kabbala, der jüdischen Mystik.

Das Gedicht „Mandorla“ gehört wohl zu den am schwersten zu deutenden Gedichten Celans und ich will mich hier keineswegs an einer weiteren Deutung versuchen. Eine Anmerkung, die den Eindruck erweckt als habe sich Celan hier eindeutig auf die christliche Ikonographie bezogen, führt den Leser aber in die Irre. Eine solche Eindeutigkeit ist der Dichtung Celans wesensfremd; darauf hat zu Recht Hermann Detering in seinem Aufsatz „Religionsgeschichtliche Anmerkungen zu Paul Celans Gedicht „Mandorla““ hingewiesen – aus dem Gedicht selbst lässt sich die in der Fußnote der Buchausgabe suggerierte Eindeutigkeit keineswegs ableiten. Anmerkungen sollen dem Verständnis des Lesers dienen; die hier angesprochene Fußnote tut dies nicht, sie führt im Gegenteil den Leser zu einer abwegigen und verengenden Lektüre des Gedichts.

Überhaupt, die Fußnoten. Nach meinem Eindruck sind sie manchmal überflüssig, an anderen Stellen, wo sie auf bestimmte Bezüge von Celans Dichtung erklärend hinweisen könnten, die den meisten bulgarischen Lesern nicht geläufig sind, fehlen sie. Dazu ein Beispiel aus dem Nachwort des Bandes, das wie folgt beginnt:

„Jedem Text bleibt sein „20. Jänner“ eingeschrieben. Wenn auch an einem 23. April begonnen trägt auch diese Übersetzung einen „20. Jänner“ in sich, von dem Celan sich herschrieb.“

In einer Fußnote erläutert die Übersetzerin, dass der 23. April der Welttag des Buches sei. Inwieweit dies für das Verständnis von Celan bzw. für den Leser von Interesse ist, ist mir schleierhaft. Viel wichtiger wäre eine Anmerkung gewesen, die den Bezug zu der Behauptung der Übersetzerin erläutert, dass sich Celan von einem „20. Jänner herschrieb“. Ich vermute stark, dass den bulgarischen Lesern in der Regel vollkommen unverständlich ist, was es mit diesem 20. Jänner im Zusammenhang mit Celans Dichtung auf sich hat. Zwar steht als Motto über dem Nachwort ein Zitat aus Celans Meridian-Rede in der er fragt

„Vielleicht darf man sagen, dass jedem Gedicht sein „20. Jänner“ eingeschrieben bleibt?“,

allerdings ist dies nicht dasselbe wie die Behauptung, Celan habe sich „von einem „20. Jänner“ hergeschrieben“.

Was also hat es mit diesem 20. Jänner auf sich (Celan verwendet sowohl in der Meridian-Rede als auch im Gedicht „Tübingen, Jänner“ diese eher ungewöhnliche regionaltypische Form des Monatsnamens Januar, was allein schon ein deutlicher Hinweis ist)? Eine Fußnote hätte hier deutlich mehr Nutzen gestiftet als das später im Nachwort folgende Namedropping – Szondi, Gadamer, Derrida, Hamburger (die Hinweise auf Ingeborg Bachmann und Bertolt Brecht sind dagegen angebracht, da es einen konkreten Bezug von im Band abgedruckten Gedichten gibt).

Dass der „20. Jänner“ sich auf den Anfang von Georg Büchners Erzählung „Lenz“ bezieht – wie viele bulgarische Leser wissen das? Und dass das Gedicht „Tübingen, Jänner“ auch darauf anspielt (Hölderlin war ein interessierter Leser von Lenz und erlebte ähnliche lebensgeschichtlich bedeutsame Enttäuschungen mit den Weimarer Titanen Schiller und Goethe) und dies ebenso wie die programmatische Rede Celans als Auseinandersetzung mit den Klassikern der deutschen Dichtung und als Gegenposition zu deren Dichtungsverständnis gesehen werden muss, gegen das sich die Lenz, Hölderlin, Büchner gewandt haben – auch dies hätte man gerne in einem solchen Nachwort, das leider sehr an der Oberfläche bleibt, gelesen.

Mein Urteil über diese Ausgabe ist – daran möchte trotz der oben angeführten Kritik keinen Zweifel lassen – insgesamt eher positiv. Eine überwiegend respektable Übersetzerleistung, die aber nicht in jedem Gedicht das hohe Niveau hält. Das Beiwerk (Fußnoten und Nachwort) finde ich fast ein wenig ärgerlich. Eine Ausgabe, die ganz darauf verzichtet hätte, wäre aus meiner Sicht vorzuziehen gewesen.

Wie ich gehört habe, soll eine weitere bulgarische Celan-Ausgabe in Vorbereitung sein. Eine gute Nachricht, denn ein solch anspruchsvoller und wichtiger Dichter sollte noch mehr Aufmerksamkeit beim Lesepublikum finden; und der Vergleich der verschiedenen Übersetzungen wird sicherlich zu weiteren interessanten Diskussionen führen. Ich bin jedenfalls gespannt.

Паул Целан: Избрани стихотворения, Gutenberg, Veliko Tarnovo 2019 (Übersetzerin Maria Slavcheva)

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Bulgarian Literature Month 2016 – a few suggestions

As already announced some time ago, Mytwostotinki will host a Bulgarian Literature Month in June. In case you are a reader with or without blog, here are a few suggestions for that month in case you want to participate. Additional suggestions and information on how to participate will follow very soon. Very little is available in print in English language from the non-contemporary Bulgarian belletristic literature. Among the classical works presently available in print are: Ivan Vazov: Under the Yoke (various editions available) – the most famous classical work in Bulgarian and the first Bulgarian novel, written 1888 and based on Vazov’s own experience and historical events related to the so-called April uprising against the Ottoman rule. Full of action and romanticism, a story that is still read by almost every Bulgarian (usually at school) and that is therefore having a great influence on how Bulgarians see their own history (and themselves). Aleko Konstantinov: Bai Ganyo (University of Wisconsin Press 2010) – originally published 1895; the adventures and misadventures of the rose oil trader Bai Ganyo are a satirical masterpiece. Bai Ganyo knows always where to find a free lunch in Vienna, Dresden, Petersburg and how to bribe, bully and rig elections in Bulgaria. No wonder not all Bulgarians like this book and its author (who was murdered in 1897), especially since not all has changed very much since Bai Ganyo’s days. By the same author, a travel account – one of the first by Bulgarian authors: Aleko Konstantinov: To Chicago and Back (Abm Komers 2004) The poet Nikola Vaptsarov had a short and tragic life. His poems are available in English: Nikola Vaptsarov: Kino (ed. Georgi Gospodinov) (Smokestack Books 2014) The grand old lady of Bulgarian literature was without doubt Blaga Dimitrova. Available by her: Blaga Dimitrova: Forbidden Sea (2002), and Scars (2003), both by Ivy Press Princeton – Dimitrova was one of the most beloved and prolific writers in Bulgarian language after WWII and after the fall of communism she was for some time Vice-President of the country. Two of her longer poems are available in bi-lingual editions. Dimitrova wrote also prose but in this moment, none of her works in prose seems to be available. Since we are at poetry, here are a few more titles (mostly in bi-lingual editions): Konstantin Pavlov: Capriccio for Goya Konstantin Pavlov: Cry of a Former Dog Alexander Shurbanov: Frost-Flowers Danila Stoianova: Memory of a Dream Edvin Sugarev: Secret Senses Edvin Sugarev: Kaleidoscope (all titles by Ivy Press Princeton) Shearsman Books, another small publisher, has two Bulgarian poetry books: Tzvetanka Elenkova: The Seventh Gesture, and At the End of the World – Contemporary Poetry from Bulgaria (ed. Tzvetanka Elenkova) Translator is in both cases Jonathan Dunne who is with Tzvetanka Elenkova, his wife, also the publisher of Small Stations Press. Another excellent anthology of Bulgarian poetry: The Season of Delicate Hunger (ed. Katerina Stoykova-Klemer), Accents Publishing 2014 The following poetry works are published by small publishers – if you are interested in them let me know; these books are probably not available via the usual distribution channels in your country: Boris Hristov: Book of Silence (Mythographies, 2008) Ivan Hristov: American Poems (DA, 2013) Kiril Kadiiski: Poetry (Sofia University Press, 2006) Toma Bintchev: The Sea is Blue (Augusta 2008) Dimitar Minkov: Contemplation (Initsiali 2014) Karol Nikolov: Shared Spaces (ZOF 2009) Lyubomir Nikolov: Street Poems (Carnegie Mellon University Press 2005) Kristin Dimitrova: A Visit to the Clockmaker (Southword Editions 2005) German readers can also try: Elin Rachnev: Zimt (Leipziger Literaturverlag 2012) Anna Zlatkova: fremde geografien (edition exil 2014) Tzveta Sofronieva: Gefangen im Licht (Biblion 1999) Boris Paskov: Zehn Traumgespanne (Biblion 2001) Gerhard Gesemann(Hg.): Zweiundsiebzig Lieder des bulgarischen Volkes (Biblion 1996) Radoj Ralin: Späte Brombeeren (Avlos 1999) Mirela Ivanova: Versöhnung mit der Kälte (Das Wunderhorn 2004) Pejo Jaworow: Den Schatten der Wolken nach (Weihermüller 1999) The most renowned contemporary Bulgarian writer is Georgi Gospodinov. His two excellent novels (The Physics of Sorrow was just nominated for the Best Translated Book Award 2016) and a book with stories are available in English: Natural Novel (Dalkey Archive Press 2005) And Other Stories (Northwestern University Press 2007) The Physics of Sorrow (Open Letter Books 2015) Gospodinov is translated in many languages. In German the following books by him are also translated: 8 Minuten und 19 Sekunden (Droschl 2016) Kleines morgendliches Verbrechen (Droschl 2010) Gaustin oder Der Mensch mit vielen Namen (Wieser 2004) The other internationally well-known name in translated contemporary Bulgarian literature is Alek Popov. His two fast-paced novels (the first one previously reviewed by me favourably) contain a lot of – sometimes black – humour, and it is not surprising that the first one was already adapted as a successful movie: Mission London (Istros Books 2014) The Black Box (Peter Owen Books 2015) Again, German readers have more choices. Apart from the two books just mentioned they can also read the following by the same author: Für Fortgeschrittene (Residenz 2009) Schneeweisschen und Partisanenrot (Residenz 2014) One of the most interesting female authors from Bulgaria is Virginia Zaharieva. As regular readers of this blog will remember, I enjoyed her first and so far only novel a lot: Nine Rabbits (Istros Books 2012; Black Balloon Publishing 2014) A publishing house that has various translated titles in his excellent program is Open Letter Press. Apart from The Physics of Sorrow it published also an excellent novel by Zachary Karabashliev (favourably reviewed by me): 18% Grey (Open Letter 2013) Other titles from Open Letter Press: Angel Igov: A Short Tale of Shame (Open Letter Books 2013) – Igov is one of the most interesting younger Bulgarian authors. His second – and so far untranslated – novel Krotkite was recently nominated as Best Bulgarian novel 2015. Milen Ruskov: Thrown into Nature (Open Letter Books 2011) – a brilliant picaresque historical novel Albena Stambolova: Everything Happens as it Does (Open Letter Books 2013) – a novel that was not completely unjustified compared to Albert Camus’ The Stranger. Georgi Tenev: Party Headquarters (Open Letter Books (Open Letter Books 2016) – a novel about the turbulent time of transition in Bulgaria in the 1980s and 90s. Deyan Enev is one of the masters of Bulgarian short prose. One of his collections is translated in English: Circus Bulgaria (Portobello Books) The following two books by Bulgarian publishers are maybe not great literature, but light and humorous summer reads: Boyan Bioltchev: Varoe’s Amazon (Bulgarian Bestseller 2007) Mikhail Veshim: The English Neighbour (Siela 2015) – a must-read for all foreigners who plan to buy a house in the Bulgarian countryside and want to live there A young author that published a story collection whose main protagonist is the city Sofia itself – I like this book very much: Alexander Shpatov: #LiveFromSofia (Siela 2014) Another book by the same author is available in German: Fussnotengeschichten (Wieser 2010) Nikolay Fenersky is another interesting writer of short stories. The following short book is available as an ebook: The Apocalypse is a Private Affair (Fenersky 2014) Ludmila Filipova is a bestseller author in Bulgaria, her most popular book available in English is: The Parchment Maze (Create Space 2013) Another popular book is this novel about a Bulgarian emigrant in Paris: Marko Semov: The Price (Bulgarian Bestseller 2006) Dimitar Tomov has published a collection of Gypsy stories that is available in English: The Eternal Katun (Bulgarian Bestseller 2004) One of the most remarkable Bulgarian movies of the last decades is Dzift by Javor Gardev. This film noir is based on an equally remarkable novel I can recommend heartily: Vladislav Todorov: Zift (Paul Dry Books 2010) Many good Bulgarian authors are not translated in English, some not at all. German readers are comparatively lucky, since they have access to excellent authors such as Vladimir Zarev, Lea Cohen, or Christo Karastojanov, to name just a few. Here is an overview without further comments regarding some more remarkable titles available in German translation: Bozhana Apostolowa: Kreuzung ohne Wege (Dittrich 2010) Boika Asiowa: Die unfruchtbare Witwe (Dittrich 2012) Dimitar Atanassow: Die unerträgliche Freiheit (Dittrich 2012) Lea Cohen: Das Calderon-Imperium (Zsolnay 2010) Georgi Danailov: Ein Haus jenseits der Welt (Wieser 2007) Kristin Dimitrova: Sabazios (IG Elias Canetti) Thomas Frahm (Hg.): Gegenwarten: Bulgarische Prosa nach 1989 (Chora 2015) Georgi Grozdev: Beute (IG Elias Canetti) Georgi Grozdev: Unnütz (IG Elias Canetti) Konstantin Iliev: Die Niederlage (IG Elias Canetti) Jordan Iwantschew: Die Farben des Grauens (Dittrich 2011) Jordan Jowkow: Ein Frauenherz (Biblion 1999) Christo Karastojanow: Teufelszwirn (Dittrich 2012) Viktor Paskow: Autopsie (Dittrich 2010) Palmi Ranchev: Der Weg nach Sacramento (Dittrich 2011) Maria Stankowa: Langeweile (Dittrich 2010) Kalin Terziyski: Alkohol (INK Press 2015) Kalin Terziyski: Wahnsinn (IG Elias Canetti) Todor Todorov: Hexen, Mörder, Nixen, Dichter (Größenwahn Verlag 2012) Angel Wagenstein: Leb wohl, Shanghai (Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann) Angel Wagenstein: Pentateuch oder Die fünf Bücher Isaaks (btb 2001) Vladimir Zarev: Familienbrand (dtv 2013) Vladimir Zarev: Feuerköpfe (dtv 2014) Vladimir Zarev: Seelenasche (dtv 2015) Vladimir Zarev: Verfall (Kiepenheuer & Witsch 2009) In a second blog post I will give very soon a few recommendations related to books by Bulgarian authors writing in a foreign language, and also a few non-fiction book recommendations related to Bulgaria. A third blog post will give finally additional information on how you can participate in the Bulgarian Literature Month – and stay tuned: there will be also some giveaways! PS: In case you are a publisher – you can contact me for more information on the books and authors, sample translations and translation rights’ information.
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Vier Gedichte von Edvin Sugarev

Пясък
 
обитавам те
както песента
славея обитава
 
обладаваш ме
както водата
камък обладава
 
пясък на дъното съм
накрая
успокоен и безименен

пак ще се срещнем
тогава
ти ще си морска вълна
 

Sand
 
ich bewohne dich
wie das lied
die nachtigall bewohnt
 
du beherrschst mich
wie das wasser
den stein beherrscht
 
sand auf dem grund bin ich
endlich
besänftigt und namenlos
 
wenn wir uns wiedersehen
dann
wirst du die meereswelle sein

————————————————————————-

 
пространство
 
безименното присъствие
безименното отсъствие
 
танцувам в здрачевината
изопната между тях
 

raum
 
namenlose anwesenheit
namenlose abwesenheit
 
ich tanze in der dämmerung
zwischen beide gespannt

———————————————————————————

 
стъпки
 
топла светлина и кръпки есенни
слънцето
от клоните се стича
по пътеката идеш
гола
и листата целуват петите ти
 
само стъпка още
само стъпка
и ще сме завърнати завинаги
 

schritte
 
warmes licht und herbstliche flicken
die sonne
fließt die zweige herunter
du kommst über den pfad
nackt
und die blätter küssen deine fersen
 
nur noch ein schritt
ein schritt nur
und wir werden uns
für immer umschlungen halten

—————————————————————————————–
 
танц на дервиш
 
все по-бързо
все по-бързо се върти
върти се докато се слее
в цветен вихър разноликото
докато тимпаните на ритъма
в един единствен звук протяжен зазвучат
 
пространствата са подлудели
огъват се и се изливат в него
вдън въртопа
стопява ги
и ги поглъща и вилнее
на танца в урагана
но както и във всеки ураган
 
в центъра
е спокойно
 
в центъра
е мълчание
 

tanz des derwischs
 
schneller
und schneller wirbelt er
dreht sich bis der farbige wirbel
die verschiedenen gesichter verschmilzt
bis der paukenrhthmus
zu einem einzigen langanhaltenden laut wird
 
die räume sind ver-
rückt biegen sich und ergießen sich
in den strudel
schmelzen und werden verschlungen
im wirbelsturm des tanzes
doch wie in jedem wirbelsturm
 
ist es im zentrum
ruhig
 
ist es im zentrum
still

Sugarev

Edvin Sugarev: Lingva Lingam (Едвин Сугарев: Лингва Лингам), ателие Аб, Sofia 2001

Aus dem Bulgarischen von Thomas Hübner

© Edvin Sugarev and ателие Аб, 2001
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