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Abschaffen!

“Den Nobelpreis sollte man endlich abschaffen.”

Das sagte Peter Handke im Jahr 2014, und ich stimme in diesem Fall vollkommen mit ihm überein. Mit der Verleihung des Literaturnobelpreises an diesen Autor ist dieser Preis endgültig obsolet geworden.

Mit dem literarischen Schaffen Handkes konnte ich nie viel anfangen; und wenn er jetzt von manchen als “genialer Stilist” gefeiert wird, habe ich den Eindruck, das solche Leute nicht viel von ihm gelesen haben werden. Das Preziöse und Gestelzte seines Stils sollte doch wohl jedem, der auch nur ein Buch von ihm gelesen hat, aufgefallen sein. Und ein tiefer Denker ist Handke sicher auch nicht, mehr als einmal schrieb ich “Schwafler!” oder “Dampfplauderer!” an den Rand – zugegeben, manche halten solche Stellen offenbar für “poetisch”. Und die Dialoge, die Handke für Wim Wenders’ Der Himmel über Berlin geschrieben hat, strotzen nur so von Stilblüten und grandiosem Kitsch.

Ich will hier aber keine Stilkritik betreiben, sondern vielmehr ein paar Beobachtungen mitteilen, die ich im Zusammenhang mit der öffentlichen Debatte um Handkes Aussagen zu Serbien und seiner Rolle in den Jugoslawien-Kriegen gemacht habe.

Dabei wurde von denjenigen, die glauben, Handke habe den Nobelpreis wegen dieser Rolle nicht verdient, geltend gemacht, dass er sich bewusst und über Jahre hinweg zum Apologeten des aggressiven serbischen Nationalismus und Chauvinismus gemacht habe, dass er die Nähe von Kriegsverbrechern gesucht habe, sich mit Karadžić und Milošević getroffen und ihnen Texte gewidmet habe, dass er muslimische und kroatische Opfer und ihre Familien verhöhnt und entwürdigt habe, den Völkermord in Srebrenica erst in Frage gestellt, dann relativiert und entschuldigt habe, und einiges mehr.

Diejenigen, die die Auszeichnung Handkes für gerechtfertigt halten, verweisen auf seine angeblich überragende Bedeutung als Autor; die von seinen Gegnern beanstandeten Punkte werden entweder geleugnet, als vereinzelte, nicht relevante “umstrittene” Aussagen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden heruntergespielt, oder es wird auf die angebliche Trennung zwischen literarischem Werk und Autor hingewiesen, die man beachten müsse. Etwaige umstrittene Aussagen des Autors seien für die Beurteilung seines Werks unerheblich und würden dieses nicht beschädigen. Der Nobelpreis sei ein Literaturpreis und kein Preis für die politischen Auffassungen seines Autors. Ferner wurde den Handke-Gegnern generell unterstellt, sie kennten sein Werk nicht und würden eine Hetzjagd auf ihn betreiben. Vereinzelt wurde geäußert, Kritik an Handke sei “widerlich” bzw. einzelne Kritiker, die so etwas sagten seien “einfach nur widerlich”.

Die zum Teil scharfe Kritik an Handke kam für mich nicht überraschend. Als jemand, der 5 Jahre in Ex-Jugoslawien gelebt hat und viele Menschen verschiedener ethnischer Gruppen dort und deren Leidensgeschichte kennt, habe ich das umfangreiche Werk Handkes zum Thema Serbien (es taucht in wenigstens 6 seiner Werke als Hauptthema auf, außerdem gibt es Erzählungen, Essays, Interviews – er hat sich geradezu obsessiv an diesem Thema abgearbeitet.) über viele Jahre mit zunehmendem Unbehagen verfolgt. Die an Handke jetzt gemachten Vorwürfe treffen aus meiner Sicht vollkommen ins Schwarze.

Zum Argument, der Literaturnobelpreis sei nur ein Literaturpreis und Handkes umstrittene Aussagen irrelevant, muss darauf hingewiesen werden, dass das so nicht stimmt. Der Literaturnobelpreis ist nach dem Willen seines Stifters ein Preis der dem Autor verliehen werden soll, der „das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat“. Worin die “idealistische Richtung” von Handkes Serbien-Werken liegen soll, konnte mir bisher leider niemand erklären. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Die angebliche Trennung von Autor und Werk – nun ja, der Autor hat ja das Werk produziert, es gibt also wohl das wieder, was er denkt und glaubt. Handke ist ja nicht der erste Autor, der Dinge gesagt oder geschrieben oder getan hat, die vollkommen unakzeptabel sind. Aber weder ein Celine noch ein Pound haben den Nobelpreis bekommen, und zwar aus gutem Grund. (Dass das Nobelpreiskommitee aber auch schon in der Vergangenheit unakzeptable Autoren ausgezeichnet hat, muss man allerdings auch festhalten. Man denke nur an Pablo Neruda, ein Mann der viele Jahre lang Teil der stalinistischen Mordmaschinerie war.) Und Handkes umstrittene Aussagen stehen ja in mindestens einem halben Dutzend seiner Werke, ein nicht ganz belangloser Teil seines Werkes.

Nachdem die Auseinandersetzung in den Medien nunmehr schon seit Wochen andauert, sollte hier vielleicht auf zwei Artikel aufmerksam gemacht werden, die ganz gut das zusammenfassen (mit ausführlichen Textzitaten von Handke), was es an seinen Serbien-Texten zu beanstanden gibt.

Einige der Handke-Befürworter machen in dieser Phase leider einen wenig angenehmen und intellektuell oft nicht gerade redlichen Eindruck. Nachdem erst behauptet wurde, die Handke-Kritiker kennten sein Werk nicht, wurden jetzt, insbesondere nachdem Michael Martens (FAZ) und Alida Bremer (Perlentaucher) umfangreiche Nachweise für das chauvinistisch-revisionistische Engagement Handkes geliefert haben, weinerlich behauptet: “Nennen Sie das eine intellektuelle Debatte, mir einfach so Zitate vorzuhalten!” (Ein bekannter Handke-Biograph äußerte sich so sinngemäß auf Twitter.) Jetzt heißt es: “Hetzkampagne, wie unfair!”, und “Der arme Mann!”.

Nein, werte Handke-Verehrer, das Zitieren und leidenschaftslose Analysieren der Handke-Texte ist keine Hetzkampagne. Es ist unangenehm für den Genozid-Relativierer Handke, der in dem Licht seiner eigenen Texte gezeigt wird. Wenn es an der ganzen Angelegenheit etwas Widerliches gibt, sind es die Texte Handkes, nicht das Sich-ins-Erinnern-Rufen dessen, was er seit vielen Jahren gesagt, geschrieben und getan hat.

Was mich bei der Diskussion um Handke besonders schockt, ist etwas wozu ich ein wenig ausholen will. Geschichtsrevisionismus und extremer Nationalismus, der auch vor der Vertreibung und Ermordung ganzer Völker nicht haltmacht, sind ein grosses Problem in ganz Osteuropa. Über die versuchte Rehabilitierung einer faschistischen und antisemitischen Organisation, für die sich ein bulgarischer Schriftsteller kürzlich einsetzte, habe ich an anderer Stelle berichtet. In Rumänien, wo der Antisemitismus unter Intellektuellen immer besonders stark ausgeprägt war, macht der Schriftsteller Paul Goma seit vielen Jahren Stimmung gegen die Juden. Die Juden seien nun mal die Erfinder des Kommunismus und der Völkermord der Rumänen an den Juden im 2. Weltkrieg – den er abwechselnd mal leugnet und dann wieder zugibt, aber relativiert – sei daher als Racheakt zu sehen, und sei daher gewissermaßen verständlich und entschuldbar.

Handke argumentiert analog ganz genauso, wenn es um den Massenmord von Srebrenica geht, den er abwechselnd leugnet, dann bezweifelt, dann zwar zugibt, aber relativiert (es waren angeblich “nur” 2000 bis 4000 Opfer, und es war auch kein Genozid, weil die Ermordeten ausschließlich Männer waren(!) – außerdem sei die Tat nur ein Racheakt gewesen für ein angebliches Massaker der “Muselmanen”. Die Täter-Opfer-Umkehr ist etwas, was Handke mit vielen Apologeten seiner Couleur gemeinsam hat.). Die Serben, die jahrelang die Einwohner Sarajevos terrorisierten und Tausende von ihnen durch Scharfschützen ermordeten werden gar mit Leuten, die eigentlich nur Indianer spielen wollten, verglichen! Das ist alles so erschreckend menschenverachtend, so bar jeder Empathie mit den Opfern (denen er im Tod sogar den Opferstatus abspricht – Opfer sind bei ihm die Serben) – dass es mir einfach nur den Atem verschlägt, wenn sich Menschen, die sich als Intellektuelle bezeichnen, sich nicht mit schärfsten Worten von solchen furchtbaren Äußerungen in seinem Werk distanzieren und es sogar begeistert feiern, wenn Herr Handke mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird. Ich finde sowohl die Auszeichnung für Handke, als auch vieles von dem, was seine Verteidiger schreiben, schlicht und einfach zum Kotzen. – Pardon my French!

Wer sich über Strömungen unter serbischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts (darunter auch Ivo Andric) informieren will, in die sich Handke, der Apologet der ethnischen Säuberung einreiht, sei auf die untenstehende Veröffentlichung des Albanologen Robert Elsie hingewiesen, die auch die beiden Denkschriften des Sarajewo- Attentäters Vaso Čubrilović und das Gutachten von Andric zur ethnischen Säuberung enthält. Vieles von dem, was Handke seinen serbischen Bezugspersonen nachplapperte, hat seine Wurzeln in den Denkschriften Čubrilovićs, der in den 1980ern hochbetagt, wiederentdeckt wurde und dessen Plan zur ethnischen Säuberung das Drehbuch zu den Feldzügen der serbischen Militärs und Paramilitärs darstellte.

“Den Nobelpreis sollte man endlich abschaffen.” – Peter Handke hat Recht! (Das Preisgeld wird er aber sicher annehmen!)

Robert Elsie (Hg.): Gathering Clouds. The Roots of Ethnic Cleansing in Kosovo and Macedonia, Albanian Studies Vol. 4, Centre for Albanian Studies, London 2015


18% Brown: the downfall of a Bulgarian intellectual (II)

Some time ago I reported on this blog how the Bulgarian author Zachary Karabashliev campaigned for a veteran of the Bulgarian fascist and anti-Semitic “Legions” (in a FB post that he later edited by deleting the reference to the “Legions”) whom he called “a hero”. The same admiration was expressed by Karabashliev in a TV interview. The man in question, Dyanko Markov, has in the past repeatedly made public statements in which he described the deportation of the Jews in the areas annexed by Bulgaria in WWII to Treblinka as “relatively human”, and he even justified this deportation and murder of a “hostile population” in a speech in the Bulgarian Parliament a few years ago. Until today he identifies himself with the “values” of the Legions, an organization, which was created after the image of the German SA.

In my blog post I mentioned that Karabashliev and his fellow supporters, some of whom have been running a campaign for years to rehabilitate the anti-Semite Dyanko Markov and the fascist and anti-Semitic Bulgarian Legions, use a concrete incident described in the article to reiterate their historical revisionist theses on the heroism of the Legions, whose founder and leader Hristo Lukov is a figure venerated by Nazis throughout Europe today.

It is a tactic already applied in the past by a specific supporter of Dyanko Markov, to try to intimidate people who mention some for Markov and his fans uncomfortable facts with abusive words, as well as with the threat of legal action on the grounds of slander. So it was no surprise that Mr. Karabashliev, under the influence of the said person, sent me a formally polite and content-wise outrageous message, giving me an ultimatum of 48 hours to delete my allegedly “defamatory” contribution.

Although I can subjectively understand that – as he writes himself – my previous blog post is very unpleasant for him, I have to tell to Mr. Karabashliev however that he has to look who’s talking here. If he had not made the attempt to portray a man as a hero who – according to the final verdict of no less than three court cases on the exact same matter (Markov et al. vs. Yuliana Metodieva) – can be called an anti-Semite and a fascist – and who until today sticks to the ideals of his youth and propagates the anti-Semitic and fascist “values” of the Legions, while at the same time voicing holocaust apologies and denying the responsibility of the organization of which he was a member in the holocaust, my article would never have been written. And for a word that Mr. Karabashliev has distanced himself in the meantime from the Legions and the anti-Semite and fascist Dyanko Markov I have waited until now in vain.

What Mr. Karabashliev apparently has not understood until today: if a Dyanko Markov had been a member of the Legions and would have distanced himself credibly at some point in his life from the anti-Semitism and fascism of this immoral and inhuman organization, my article would also not have been written. But Markov is still a propagandist for the Legions and their anti-Semitism and fascism, he has participated several times in the notorious Nazi march in honor of Lukov, but Mr. Karabashliev finds him heroic and then begins moaning and whining when someone tells him that he is campaigning here de facto for the rehabilitation of an anti-Semitic and fascist organization, and also for the rehabilitation of a member who has not become in any ways distant to these “values” during his whole life.

Mr. Karabashliev has either committed a stupidity of gigantic proportions or he is sharing Markov’s political convictions and now, after several people have publicly criticized him for this, he seems to believe that the allegation of a lawsuit will cause me to tacitly delete my post. However, Mr. Karabashliev makes a mistake of judgment here. I am not intimidated by his threat.

I hope in his own interest that Mr. Karabashliev is informed by his lawyer that not everything that is personally unpleasant to him is slander. And that I have said something untrue about Mr. Karabashliev, he probably will not want to assert. That would be – because if he claims so, it is obviously not true – indeed slander by Mr. Karabashliev and therefore potentially a criminal offense. He may not realize his very delicate legal position in this case, but of course he, just like any other citizen, can choose the legal recourse to clarify which of the two of us has violated the law by claiming something false with the intention to tarnish the reputation of the other. The result could be quite surprising and even more unpleasant for Mr. Karabashliev than my blog post. In any case, I will continue to report on the activities of certain revisionist circles in Bulgaria, and in the future possibly in front of a larger international public.

Whether Mr. Karabashliev wants to be associated with anti-Semitic, fascist and historical revisionist circles in Bulgaria also in the future, or whether he realizes that he has got himself into something on this matter, which will permanently harm his reputation as a writer and person, I do not know, of course. The damage to his reputation, however, will be far greater and more lasting if he goes to court. The choice is up to him.

PS: Here is a report of the Bulgarian Jewish organization Shalom on anti-Semitism in Bulgaria. On page 8, Dyanko Markov and the Bulgarian Legions are also mentioned.

And here is a report on the three dismissed lawsuits, with which the journalist Yuliana Metodieva should be muzzled unsuccessfully in the dispute over Markov in the past.

© Thomas Hübner and Mytwostotinki, 2014-9. Unauthorized use and/or duplication of this material without expressed and written permission from this blog’s author and/or owner is strictly prohibited. Excerpts and links may be used, provided that full and clear credit is given to Thomas Hübner and Mytwostotinki with appropriate and specific direction to the original content.

18% Braun: Vom Fall eines bulgarischen Intellektuellen (II)

Vor einiger Zeit berichtete ich auf diesem Blog, wie der bulgarische Schriftsteller Zachary Karabashliev sich für einen Veteranen der bulgarischen faschistischen und antisemitischen „Legionen“ einsetzte und diesen (in einem später von ihm redigierten FB-Post, in dem er den Teil, der sich auf die Legionärstätigkeit dieses Mannes bezieht, löschte) als Helden bezeichnete. Ähnlich äusserte er sich in einem Fernsehinterview. Der Mann um den es geht, Dyanko Markov, wurde in der Vergangenheit mehrfach durch Äusserungen, in der er die Deportation der Juden in den von Bulgarien annektierten Gebieten nach Treblinka als „relativ menschlich“ bezeichnete, und der diese Deportation einer „feindlichen Bevölkerung“ öffentlich in einer Rede im bulgarischen Parlament vor einigen Jahren rechtfertigte, bekannt. Er steht bis heute zu den Werten der Legionäre, der bulgarischen Organisation, die nach dem Abbild der deutschen SA gegründet wurde.

In meinem Beitrag stellte ich fest, dass Karabashliev und seine teilweise schon einschlägig hervorgetretenen Mitstreiter, von denen einige seit Jahren eine Kampagne zur Rehabilitation des Antisemiten und Faschisten Dyanko Markov und der faschistischen und antisemitischen Organisation der Legionäre betreiben, einen konkreten Vorfall, der in dem Artikel geschildert wird, dazu benutzen, erneut ihre geschichtsrevisionistischen Thesen von der Heldenhaftigkeit der Legionäre, deren Gründer und Führer Lukov eine von Nazis in ganz Europa heute verehrte Figur ist, zu propagieren.

Es ist eine schon mehrfach erprobte Taktik einer Mitstreiterin von Dyanko Markov, Personen, die einige für Markov und seine Unterstützer unbequeme Tatsachen erwähnen, mit wüstesten persönlichen Angriffen und Schimpfworten und ausserdem mit einer Klageandrohung wegen Verleumdung bzw. übler Nachrede zu bedrohen. So war es auch keine Überraschung, dass mir Herr Karabashliev, wohl unter dem Einfluss der besagten Person, eine in höflichem Ton gehaltene aber inhaltlich unverschämte Nachricht zukommen liess, die mir ein Ultimatum von 48 Stunden gibt, meinen angeblich „verleumderischen“ Beitrag zu löschen.

Nun kann ich zwar subjektiv nachvollziehen, dass – wie er selbst schreibt – mein Artikel ihm sehr unangenehm ist. Allerdings muss sich Herr Karabashliev hier an die eigene Nase fassen. Hätte er nicht den Versuch gemacht, einen Mann als Helden darzustellen, der – und das ist gerichtlich letztinstanzlich bereits festgestellt (Rechtssache Markov et al. vs. Yuliana Methodieva) bis heute zu den Idealen der antisemitischen Legionäre steht und ihre Werte propagiert, bei gleichzeitiger Holocaustrelativierung und -apologie, ein Mann, den man von Rechts wegen ungestraft einen Antisemiten und Faschisten nennen darf, wäre mein Artikel nie geschrieben worden. Und eine Stellungnahme, in der Herr Karabashliev in der Zwischenzeit geäussert hätte, dass er sich eindeutig von den Legionären und dem Antisemiten und Faschisten Dyanko Markov distanziert – diese Stellungnahme habe ich bisher vergeblich erwartet.

Was Herr Karabashliev offenbar bis heute nicht verstanden hat: wäre ein Dyanko Markov Legionär gewesen und hätte sich irgendwann in seinem Leben glaubhaft vom Antisemitismus und Faschismus dieser amoralischen Organisation distanziert, wäre mein Artikel ebenfalls nicht geschrieben worden. Aber Markov steht bis heute zu den Legionären und ihrem Antisemitismus und Faschismus, hat auch mehrfach am berüchtigten Naziaufmarsch zu Ehren Lukovs teilgenommen, aber Karabashliev findet ihn heldenhaft und fängt dann an zu zetern und zu jammern, wenn jemand ihm sagt, dass er hier eine jahrelange Kampagne zur Rehabilitierung dieser antisemitischen und faschistischen Organisation unterstützt, eine Rehabilitierung eines Mitglieds auch, der überhaupt nicht geläutert ist und der sich nie glaubhaft von dieser Organisation und ihren verbrecherischen Zielen distanziert hat.

Herr Karabashliev hat entweder eine Dummheit von gigantischem Ausmass oder aber eine Überzeugungstat begangen und glaubt nun, nachdem ihn mehrere Personen dafür öffentlich kritisiert haben anscheinend, dass die Klageandrohung mich dazu veranlassen wird, meinen Post stillschweigend zu löschen. Allerdings begeht Herr Karabashliev hier eine Fehleinschätzung. Einschüchtern lasse ich mich nämlich nicht.

Ich hoffe in seinem eigenen Interesse, Herr Karabashliev wird von seinem Anwalt darüber aufgeklärt, dass nicht alles, was ihm persönlich unangenehm ist, Verleumdung darstellt. Und dass ich etwas Unwahres über Herrn Karabashliev behauptet habe, wird er wohl nicht behaupten wollen. Das wäre dann nämlich – da wahrheitswidrig – in der Tat Verleumdung durch Herrn Karabashliev und ergo strafrechtlich relevant. Falls er das nicht einsieht, steht ihm natürlich wie jedem Bürger der Rechtsweg offen, um zu klären, wer von uns beiden hier das Recht verletzt hat, indem er Unwahres behauptet. Das Ergebnis könnte für Herrn Karabashliev durchaus überraschend und noch viel unangenehmer sein als mein Artikel. In jedem Fall werde ich auch weiterhin und in Zukunft wohl auch vor einer grösseren internationalen Öffentlichkeit über die geschichtsrevisionistischen Aktivitäten gewisser Personen in Bulgarien berichten.

Ob Herr Karabashliev Wert darauf legt, auch weiterhin mit antisemitischen, faschistischen und geschichtsrevisionistischen Kreisen in Bulgarien in Verbindung gebracht zu werden, oder ob er einsieht, dass er sich bei dieser Angelegenheit in etwas verrannt hat, was seinem Ansehen als Schriftsteller und Person nachhaltig schadet, weiss ich natürlich nicht. Der Schaden für sein Ansehen wird allerdings ungleich grösser und dauerhafter sein, wenn er den Gerichtsweg beschreitet. Es liegt ganz bei ihm.

PS: Hier ein Bericht der bulgarischen jüdischen Organisation Shalom zum Antisemitismus in Bulgarien. Auf S. 8 finden auch Dyanko Markov und die Bulgarischen Legionen Erwähnung.

Und hier ein Bericht über die drei abgewiesenen Klagen, mit denen die Journalistin Yuliana Metodieva in der Auseinandersetzung um Markov erfolglos mundtot gemacht werden sollte.

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18% Brown: the downfall of a Bulgarian intellectual

The countries of Eastern Europe continue to struggle with the classification of their history and the people and currents that shaped it. This is especially true for the legacy of the time immediately before the Communist seizure of power. In many Eastern European countries, since the 1920s, there were fascist or openly National Socialist groups that enjoyed widespread popular support; they generally combined radical anti-communism with a totalitarian idea of society and eliminationist anti-Semitism modeled after German National Socialism.

From these groupings, the Nazis gained before and at the outbreak of WWII many fanatical supporters for their policy of violence and extermination, a policy that aimed at the complete eradication of whole races, especially the Jews and Roma. The prejudices and social exclusion that had prevailed for centuries, as well as the existing willingness to use violence against these population groups in Eastern Europe, were taken up by the Nazis and made serviceable for their barbaric extermination project. The anti-Semitic and fascist organizations of the “elites” in these countries disappeared apparently later with the Communist seizure of power, but the persons and attitudes of course remained largely unchanged.

While many leading members of fascist groups settled in the West in time, and others being executed or sentenced to lengthy prison terms in trials that were usually not according to the standards of constitutional democracies, there were also many who remained undisturbed. Among other things, the collapse of the communist bloc in Eastern Europe led to the formation of political groups that deliberately leaned towards pre-war organizations and that see themselves as following the values of such organizations. As a rule, the anti-communism of these pre-WWII groups is emphasized, but the totalitarian-fascist and anti-Semitic tradition is often concealed or relativized.

Hard-boiled anti-Semites and racists who have survived the communist regime and who are still proud of their (mis)deeds against Jews, and who in some cases spent decades behind bars in a communist prison, were suddenly revered by many despite (or perhaps because of?) their open advocacy of the ideology of their youth as anti-communist martyrs and heroes and role models for 21st century youth. And frequently, there are willing intellectuals who wholeheartedly support this revisionist narrative.

I want to report on such a case here. The focus is on the Bulgarian writer Zachary Karabashliev, whose novel 18% Gray is also available in English translation.

What is it all about? On his Facebook profile Karabashliev describes a visit to a 97-year-old retiree, and he provides photos and explanatory text. This encounter has, in his own words, strongly impressed him. The old man, apparently still astonishingly vigorous for his age, was harassed several times by intruders in his home and probably also physically abused. Karabashliev demanded in a letter from the competent ministry a better protection and an increased pension for the war veteran, who also spent many years in a prison of Communist Bulgaria as a regime opponent.

So far so good. There is no one who does not regret the poor living conditions of pensioners in Bulgaria, and also the frequent lack of recognition that many innocent victims of the communist system (in)justice have received in today’s Bulgarian society. So quite a noble action, which honors also the initiator, one could believe at first glance. Another picture, however, comes to light when you are digging a bit deeper.

The old man, whom Karabashliev praises, and whom he has repeatedly dubbed in public statements – even on television – as a hero, is called Dyanko Markov. Markov was imprisoned in communist Bulgaria for political reasons and was rehabilitated in the years after 1989. He was then a member of parliament for a right-wing party and became the most prominent living symbol of the political Right in Bulgaria because of his strong anti-communist stance. Markov wrote his memoirs, he often appeared as a speaker at public events (for example at the European Parliament) and was repeatedly interviewed. He is not just any pensioner, but in Bulgaria a well-known figure of public life. We are dealing with someone whom many – Karabashliev, for example – consider to be an exemplary hero and as such he was and is always present in the Bulgarian public.

In the first version of his Facebook post, Karabashliev also mentioned in detail and admiringly a part of the biography of Markov, which he interestingly later edited and completely deleted. This section referred to Markov’s membership in the so-called “Legions” and his alleged heroic deeds during World War II.

The Union of Bulgarian National Legions was an anti-Semitic and openly fascist paramilitary organization led by Hristo Lukov from 1933 on (he used the title “National Leader”). The youth organization of the Legions used the swastika as part of their emblem, the uniforms of the Legions and also the program were directly based on the blueprint of the German SA and also otherwise this movement was regarded as an arm of Hitler in Bulgaria and was strongly supported accordingly by Nazi Germany.

Eliminationist anti-Semitism was particularly actively promoted in Bulgaria by radical groups such as the Legions. Lukov, who eventually rose to become a general, Minister of War, and the “gray eminence” in the background, used the Legions as a base to gain more and more political influence and power; the Gestapo seriously debated whether they should support a coup d’etat by Lukov against Tsar Boris III who was for opportunistic reasons – the defeat of the Nazis was already forseeable – reluctant to carry out the Final Solution in Bulgaria; a replacement by a dictator Lukov, would according to the reasoning of the Gestapo, “deliver” the Jews for extermination without any problems. Before these ideas could be carried out, Lukov was assassinated by Violeta Yakova, a 19-year-old Jewish partisan (she was later brutally raped and tortured to death by Bulgarian security forces); the strong resistance of many Bulgarian citizens, some politicians (such as Dimitar Peshev) and the Orthodox Church in Bulgaria meant in the end that Bulgaria did not extradite their own Jewish citizens to the Nazis.

The Jews in the Bulgarian-occupied and annexed areas of Thrace, Macedonia and the Pirot region of Serbia were less fortunate: they were the only inhabitants of these areas who were formally declared as non-Bulgarians, and with this “trick” the Bulgarian authorities had laid the basis for deporting them. The deportation in these areas was organized and carried out by Bulgarians, members of the Union of Bulgarian National Legions were particularly eager, since the murder of the Jews corresponded to their own program. More than 11,000 Jews were deported to Treblinka and murdered on arrival.  

The founder and “leader” of this organization, which carried out much of the dirty work in the murder of Jews, Hristo Lukov, is the idol of many neo-Nazis in Europe to this day, he is “honored” with a torchlight parade every year in the center of Sofia by groups of neo-Nazis from all over Europe. Lukov is also the idol of Dyanko Markov, and he still propagates the ideas and “values” of the Legions to this very day. His memoirs sing a song of heroism of this organization. The Holocaust in the territories occupied and annexed by Bulgaria was commented by Markov in a speech in the Bulgarian parliament in 2000, in which he stated that the deportation of a “hostile population” was not a war crime. In 2018 he added that the deportation of the Jews to Treblinka was “relatively humane”. Almost at the same time Markov received from the Bulgarian state a high Order of Merit. One wonders, however, for what exactly…

At this point lies the real scandal, in the center of which Karabashliev has now maneuvered himself, probably out of the deepest conviction from the bottom of his heart.

If he and his notorious co-propagandists had wanted to draw attention to the fate of the veterans, the former inmates and victims of the communist regime of injustice or, in general, the shameful situation in which many elderly people in Bulgaria have to vegetate, one could easily choose almost any older person in Bulgaria as an example. The fact that a Dyanko Markov of all people is chosen to make this point, a person whose appearance in the European Parliament triggered a major scandal just a few years ago, after his continued advocacy of an inhumane organization and ideology and his Holocaust relativization became known, is, of course, a hint to the fact that the small group’s political program that keeps repeating Dyankov’s instrumentalization aims mainly at a complete rehabilitation of criminal fascist organizations from pre-war Bulgaria, a rehabilitation on which the group obviously plans to capitalize politically.

Anyone who points out that an inhumane ideology is being propagated here, the ideology of a group whose main historical aim was the mass murder of certain population groups and a cruel war of aggression in the East, anyone who questions why such people should be made into heroes must be prepared for a few things, from – in the end unsuccessful – slander trials to vicious, hate-filled personal attacks from the camp of Karabashliev’s co-propagandists. Unfortunately, such tendencies are probably in the spirit of the times, because in Bulgaria, which is governed by a coalition of right-wing and right-wing extremist parties, intellectual currents that relativize or deny the Holocaust and who claim that it is “the Jews” who need to be blamed for all atrocities of communism (which, as a matter of course makes their mass murder an excusable response); even the age-old anti-Semitic topos of the Jews as Christ-killers celebrates resurrection, e.g. in the columns of the once respected portal “Kultura”. The fact that Bulgarian writers such as Karabashliev and a few other second- and third-rate figures are initiating or supporting such shameful acts is a declaration of moral bankruptcy.

The case Karabashliev weighs particularly hard because of its influential position in the Bulgarian publishing industry. Significantly, with the exception of Angel Igov, who has contradicted the account of Karabashliev and his allies with reference to the facts, and Lea Cohen, who as a Jew is a traditional target of the Bulgarian anti-Semites, no other author has to my knowledge yet intervened in this scandal. Too big is obviously the fear to lose access to publication outlets in the small Bulgarian book market, or to estrange readers, of which a considerable part probably sympathizes with Markov‘s and Karabashliev’s historical revisionism. One may call this cowardice or complete dullness towards moral values; in any case it is a tragedy and a worrying symptom of the state of Bulgarian society these days.

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18% Braun: Vom Fall eines bulgarischen Intellektuellen

Die Länder Osteuropas tun sich nach wie vor schwer mit der Einordnung ihrer Geschichte und der Personen und Strömungen, die sie gestaltet haben. Das gilt vor allem für das Erbe aus der Zeit unmittelbar vor der kommunistischen Machtergreifung. In vielen osteuropäischen Ländern gab es seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts faschistische oder offen nationalsozialistische Gruppierungen, die sich grosser Unterstützung in Teilen der Bevölkerung erfreuten, und die in der Regel einen radikalen Antikommunismus mit einem totalitären Gesellschaftsmodell und eliminatorischem Antisemitismus nach nationalsozialistischem Vorbild verknüpften.

Aus diesen Gruppierungen erwuchsen den Nazis vor und bei Kriegsausbruch fanatische Unterstützer für ihre Gewaltpolitik, in deren Zug sie ganze Rassen ausrotten wollten, allen voran die Juden und Roma. Die seit Jahrhunderten verbreiteten Vorurteile und gesellschaftlichen Ausgrenzungen, sowie die vorhandene Gewaltbereitschaft gegenüber diesen Bevölkerungsgruppen in Osteuropa wurde von den Nazis gerne aufgegriffen und für ihr barbarisches Ausmerzungsprojekt dienstbar gemacht. Die antisemitischen und faschistischen Organisationen der „Eliten“ in diesen Ländern verschwanden zwar scheinbar später mit der kommunistischen Machtergreifung, die Personen und Geisteshaltungen aber blieben selbstverständlich weitgehend unverändert.

Während sich viele führende Vertreter faschistischer Gruppierungen rechtzeitig in den Westen absetzten und mancher auch im Rahmen von Prozessen, die meist wenig rechtsstaatlich waren, hingerichtet oder zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurde, blieben viele auch unbehelligt. Der Zusammenbruch des kommunistischen Blocks in Osteuropa führte unter anderem auch dazu, dass sich politische Gruppierungen bildeten, die sich bewusst an Vorkriegsorganisationen anlehnten oder in deren Tradition sehen. Dabei wurde in der Regel der Antikommunismus dieser Gruppierungen in den Vordergrund gestellt, die totalitär-faschistische und antisemitische Tradition aber gerne verschwiegen oder relativiert.

Hartgesottene Antisemiten und Rassisten, die das kommunistische Regime überlebt haben und bis heute stolz auf ihre (Un-)Taten gegenüber Juden sind und die in einigen Fällen Jahrzehnte hinter Gittern in einem kommunistischen Gefängnis verbracht hatten, wurden von vielen plötzlich ungeachtet (oder vielleicht gerade wegen?) ihres offenen und ungeläuterten Eintretens für die Ideologie ihrer Jugendjahre als antikommunistische Märtyrer und Helden und Vorbilder für die Jugend des 21. Jahrhunderts dargestellt. Und immer wieder finden sich willige Intellektuelle, die dieses revisionistische Narrativ aus ganzem Herzen unterstützen.

Von einem solchen Fall will ich hier berichten. Im Zentrum steht dabei der bulgarische Schriftsteller Zachary Karabashliev, dessen Roman 18% Grau auch in englischer Übersetzung vorliegt.

Um was geht es konkret? Auf seinem Facebook-Profil berichtete Karabashliev von einem Besuch bei einem 97-jährigen Rentner, den er mit Fotos und erläuterndem Text versah. Diese Begegnung hat ihn nach eigenen Worten stark beeindruckt. Der alte Herr, offenbar noch erstaunlich rüstig für sein Alter, wurde diesem Bericht zufolge mehrfach von Eindringlingen in seiner Wohnung belästigt und wohl auch physisch misshandelt. Karabashliev forderte vom zuständigen Ministerium in einem Brief einen besseren Schutz bzw. eine erhöhte Rente des Kriegsveteranen, der zudem auch viele Jahre in einem Gefängnis des kommunistischen Bulgariens als Regimegegner einsass.

So weit, so gut. Es gibt wohl niemanden, der die schlechte Versorgung von Rentnern in Bulgarien und auch den häufigen Mangel an Anerkennung, den die vielen unschuldigen Opfer der kommunistischen Systemjustiz gegen Regimegegner in der heutigen bulgarischen Gesellschaft erhalten, nicht bedauert. Also durchaus eine edelmütige Aktion, die dem Initiator zur Ehre gereicht, könnte man auf den ersten Blick glauben. Ein anderes Bild jedoch ergibt sich, wenn man etwas tiefer gräbt.

Der alte Herr, von dem Karabashliev berichtet, und den er mehrfach in öffentlichen Äusserungen – auch im Fernsehen – als Helden tituliert hat, heisst Dyanko Markov. Markov war von im kommunistischen Bulgarien aus politischen Gründen inhaftiert und wurde in den Jahren nach 1989 rehabilitiert. Er war danach Parlamentsabgeordneter einer rechten Partei und wurde die prominenteste lebende Symbolfigur der Rechten in Bulgarien wegen seines unbeugsamen Antikommunismus. Markov schrieb seine Memoiren, trat häufig als Redner bei öffentlichen Veranstaltungen auf (u.a. auch im Europaparlament) und wurde immer wieder interviewt. Er ist also nicht irgendein Rentner, sondern in Bulgarien eine sehr bekannte Figur des öffentlichen Lebens. Wir haben es mit jemandem zu tun, den viele – so auch Karabashliev – geradezu für einen mustergültigen Helden halten und als solchen immer wieder der Öffentlichkeit vorstellen.

In der ersten Version seines Facebook-Posts erwähnte Karabashliev auch ausführlich und bewundernd einen Teil der Biographie Markovs, den er interessanterweise später redigierte und komplett strich. Dieser Abschnitt bezog sich auf die Mitgliedschaft Markovs bei den sog. „Legionären“ und seine angeblich heldenhaften Taten während des 2. Weltkriegs.

Der Bund der Bulgarischen Nationalen Legionen war eine antisemitische und offen faschistische paramilitärische Organisation, die ab 1933 von Hristo Lukov geführt wurde (er benutzte den Titel „Nationaler Führer“). Die Jugendorganisation der Legionäre nutzte in ihrem Emblem das Hakenkreuz, die Uniformen des Verbandes und auch das Programm waren direkt an das Muster der nazistischen SA angelehnt und auch sonst wurde diese Bewegung als Arm Hitlers in Bulgarien angesehen und entsprechend von Nazideutschland gefördert.

Der eliminatorische Antisemitismus wurde in Bulgarien besonders aktiv von radikalen Gruppen wie den Legionären propagiert. Lukov, der schliesslich zum General, Kriegsminister und zur grauen Eminenz im Hintergrund aufstieg, nutzte die Legionäre, um auch politisch immer mehr Einfluss zu gewinnen;  die Gestapo diskutierte ernsthaft, ob man einen Staatsstreich Lukovs gegen den bei der Judenvernichtung in Bulgarien aus opportunistischen Gründen – die Niederlage der Nazis war bereits absehbar – zögerlichen Zar Boris III durchführen sollte und an seiner Stelle Lukov als Diktator, der die Judenvernichtung in Bulgarien „liefern“ würde, unterstützen sollte. Dazu kam es am Ende nicht, Lukov wurde von der 19-jährigen jüdischen Partisanin Violeta Yakova bei einem Attentat getötet (sie wurde später von bulgarischen Sicherheitskräften bestialisch vergewaltigt und zu Tode gefoltert); der starke Widerstand vieler bulgarischer Bürger, einiger Politiker (wie Dimitar Peshev) und der Orthodoxen Kirche in Bulgarien führten dazu, dass Bulgarien die Juden im eigenen Land nicht an die Nazis auslieferte.

Die Juden in den von Bulgarien besetzten Gebieten Thrakiens, Mazedoniens und der serbischen Region Pirot hatten weniger Glück: sie wurden als einzige Einwohner dieser Gebiete nicht als Bulgaren angesehen, und mit diesem „Trick“ hatte man die Grundlage geschaffen, sie zu deportieren. Die Deportation in diesen Gebieten wurde von Bulgaren organisiert und durchgeführt, Mitglieder der Bulgarischen Nationalen Legionen zeigten sich besonders eifrig, entsprach der Mord an den Juden doch ihrem eigenen Programm. Mehr als 11000 Juden wurden überwiegend nach Treblinka zur Vergasung deportiert.

Der Gründer und „Führer“ dieser Organisation, die Hand- und Spanndienste beim Judenmord leistete, Hristo Lukov, ist das Idol vieler Neo-Nazis in Europa bis heute, er wird jedes Jahr mit einem Fackelzug gewaltbereiter Rechtsextremisten aus ganz Europa auf den Strassen von Sofia „geehrt“. Lukov ist auch das verehrte Idol von Dyanko Markov, und er propagiert bis heute das Gedankengut der Legionäre. Seine Memoiren singen das Heldenlied dieser Organisation. Der Holocaust in den von Bulgarien besetzten und annektierten Gebieten wurde von Markov in einer Rede im bulgarischen Parlament im Jahr 2000 dahingehend kommentiert, dass die Deportation einer „feindlichen Bevölkerungsgruppe“ kein Kriegsverbrechen sei. Im Jahr 2018 ergänzte er dazu noch, dass die Deportation nach Treblinka „relativ human“ gewesen sei. Fast zeitgleich erhielt Markov vom bulgarischen Staat einen hohen Verdienstorden. Man fragt sich allerdings, wofür…

In diesem Punkt liegt der eigentliche Skandal, in dessen Mittelpunkt sich Karabashliev jetzt, wohl aus tiefster Überzeugung selbst manövriert hat.

Wenn es ihm und seinen einschlägig bekannten Co-Propagandisten darum gegangen wäre, auf das Los der Veteranen, der ehemaligen Häftlinge und Opfer des kommunistischen Unrechtsregimes oder generell auf die schändliche Situation, in der viele betagte Menschen in Bulgarien vegetieren müssen, aufmerksam machen zu wollen, hätte man sich ohne weiteres fast jeden beliebigen älteren Menschen in Bulgarien als Beispiel aussuchen können. Dass man ausgerechnet einen Dyanko Markov, dessen Auftritt im Europäischen Parlament vor wenigen Jahren einen grossen Skandal auslöste, nachdem sein ungebrochenes Eintreten für eine menschenverachtende Organisation und Ideologie und seine Holocaust-Relativierung bekannt wurde, ist natürlich politisches Programm der kleinen Gruppe, die ihn immer wieder instrumentalisiert, um verbrecherische faschistische Organisationen aus dem Vorkriegs-Bulgarien zu rehabilitieren und daraus letzten Endes politisches Kapital zu schlagen.

Wer darauf hinweist, dass hier eine inhumane Ideologie propagiert wird und eine Gruppierung, deren Hauptziel nach eigener Aussage der Massenmord an bestimmten Bevölkerungsgruppen und der Angriffskrieg im Osten war, zu Heroen aufgebaut werden sollen, muss sich auf einiges gefasst machen, von – am Ende erfolglosen – Verleumdungsprozessen bis hin zu geifernden, hasserfüllten persönlichen Angriffen aus dem Lager von Karabashlievs Gesinnungsgenossen. Leider liegen derartige Tendenzen wohl im Zeitgeist, denn in Bulgarien, das von einer Regierungskoalition rechter und rechtsextremer Parteien regiert wird, gibt es seit einiger Zeit auch unter Intellektuellen Strömungen, die den Holocaust relativieren oder leugnen, und die „den Juden“ die Schuld am Kommunismus und seinen Verbrechen geben (und insofern den Massenmord an ihnen als entschuldbare Reaktion darauf interpretieren); auch der uralte antisemitische Topos von den Juden als Christus-Mördern feiert Wiederauferstehung, z.B. in den Spalten des einstmals angesehenen Portals „Kultura“. Dass sich bulgarische Schriftsteller wie Karabashliev und einige andere aus der zweiten und dritten Garnitur dazu hergeben, ist eine moralische Bankrotterklärung.

Der Fall Karabashliev wiegt besonders schwer aufgrund seiner einflussreichen Stellung im bulgarischen Verlagswesen. Bezeichnenderweise hat – mit der Ausnahme von Angel Igov, der der Darstellung von Karabashliev und seiner Bundesgenossen mit Hinweis auf die Fakten widersprochen hat und von Lea Cohen, die als Jüdin ohnehin traditionell eine Zielscheibe der bulgarischen Antisemiten ist – meines Wissens bisher noch kein anderer Autor zu dem Vorgang Stellung genommen. Zu gross ist offenbar die Angst, auf dem kleinen bulgarischen Buchmarkt Pulikationsmöglichkeiten zu verlieren oder bei Lesern anzuecken, von denen wohl ein beträchtlicher Teil mit Markovs und Karabashlievs Geschichtsrevisionismus sympathisiert. Man mag das Feigheit oder komplette Abgestumpftheit gegenüber moralischen Werten nennen; ein Trauerspiel und ein besorgniserregendes Symptom für den Zustand der bulgarischen Gesellschaft ist es auf jeden Fall.

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A menetekel

One of the key messages of Alexander Solzhenitsyn’s “Two Hundred Years Together” is that the October Revolution, Bolshevism, and communist ideology in general are essentially Jewish “projects.” The intelligence apparatus, the systematic murder of regime opponents, the creation of the Gulag system in which millions of people were enslaved and murdered: it is mainly the Jews who are to blame. (He does not say it so flatly, but in the end this is what really matters to him). So whoever today is an anti-Semite, one could conclude by implication, only proves his anti-communism convincingly. And if there were acts of violence against Jews in Eastern Europe apart from the Nazi crimes, it was self-defense or revenge for communist injustice suffered, and in fact they meant only the Jewish political commissars … – this is how for example Paul Goma justifies today the murder of the Jews, committed by Romanians during WWII. And in Bulgaria, too, this form of anti-Semitism is a daily affair among staunch anti-communists. The more so today, where openly anti-Semitic political parties are in the government. Therefore, when the Bulgarian writer Theodora Dimova publishes a strangely conspiratorial text in the otherwise respectable portal “Kultura”, a text that ostensibly commemorates the anniversary of the bombing of Sofia’s Sv. Nedelja Church in 1925, while emphasizing at the same time the struggle of the Bolsheviks against the Christian religion (which in the context of this terrorist act represents a falsification of history, since its motivation was quite different), this may at first sight seem a little outlandish. But the author, who often refers to “Christian values” in her public statements and laments the lack of a “spiritual elite” in Bulgaria, may be having in mind the approaching Orthodox Easter celebrations that coincide with the Jewish Passover feast this year? What follows is a long-winded series of biblical quotations and hermeneutical remarks, all of which point to the continuity of the hatred of the enemies of Christ and Christianity – then as now: the Jews, as many readers who understand Dimova’s wink will surely say. They murdered Christ and they are behind Bolshevism, the ideology of the Anti-Christ. Dimova is too clever, she does not mention the Protocols of the Elders of Zion. But the Jewish Passover feast and the invention of Jews abducting and slaughtering Christian children to drink their blood are well known to most Bulgarians, and the timing of the publication is obviously no coincidence. The Blood Libel, a ritual murder legend is believed by many people in Eastern Europe until today or at least found to be “interesting”. And there are also openly violent-pornographic anti-Semitic works, from Adolf Hitler to Henry Ford and Fred Leuchter, prominently placed and advertised in almost every bookstore in Bulgaria and sold by the tens of thousands. In such an environment, it is no longer necessary to be more explicit. Almost anyone who wants to understand the subtext understands it. One mentions the religious hostility of the (Jewish) Bolsheviks against Christianity, one speaks long and widely about the (Jewish) Christ murderers, quotes from biblical sources (thus unsuspiciously), and publishes everything a few days before Passover, the period when Jews are according to the Blood Libel looking for Christian children to sacrifice . The context is unambiguous: “We understand”. Of course, all this is not conclusive proof of an intention. But the subtext is there. And the author is not naïve. However, anyone who babbles about “Christian values” and “spiritual elite” and then uses anti-Semitic clichés, only shows that he / she stands neither for these values, nor belongs to a spiritual elite, but to a dull mass of eternal-yesterday people. The dilemma of the democratic right wing and conservatism in Bulgaria is that apart from militant verbal anti-communism, they have nothing to offer. There are no real values that they stand for and the ideology that they are shouting about and whose monuments they want to dispose of, is already dead (its enterprising heirs though are alive and kicking). There is a lack of a unifying, positive thought, a social vision. Moreover, there is no delimitation from the enemies of a democratic and pluralistic community from the extreme right. The tsarist and fascist dictatorship before the Communist takeover are being glorified, the main responsible for the murder of more than 11,000 Jews is counter-factually declared the “savior of the Bulgarian Jews”, General Lukov, a particularly close friend of the Gestapo and head of the Bulgarian legions is whitewashed into a hero and brave anticommunist, surviving members of these organizations who participated in crimes against humanity, are portrayed as great democrats and true patriots and given every podium (including the European Parliament) to spread their fake version of history to the applause of many Bulgarian intellectuals. The terrorist and anti-Semitic VMRO is today, only slightly revamped, a ruling party in Bulgaria. And so it goes on – the media and history books are now being “adapted” accordingly. Today, Bulgaria is even further away than ever from making progress on the way to an open society. On the contrary, we are experiencing today the almost complete collapse of any intellectual honesty and decency. Bulgaria’s misery is not primarily due to the existence of corruption and organized crime, but to the indolence, cynicism and moral failure of a large part of the Bulgarian intelligentsia. The intellectually completely irrelevant article by T. Dimova is a menetekel. 28008677 Alexander Solschenizyn: Two Hundred Years Together, Herbig 2015 
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“Евреите са нашето нещастие!”

Подтекстът на тази статия: евреите са убийците на Христос и са отговорни за болшевизма и атаката срещу Св. Неделя. Авторката не го казва буквално, но посланието е лесно да се чете между линиите…

Жалко е, че на “Култура” се появява статия, използваща антисемитски клишета. Това не съответства на това, което “Култура” беше за мен досега.

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In Ruse with Elias Canetti

In the first volume of his autobiography Die gerettete Zunge (The Tongue Set Free), Elias Canetti writes about his early childhood in the Bulgarian city of Ruse – Canetti uses throughout the book the old name Rustchuk -:

“Everything that I experienced later, had already happened once in Rustchuk…On any one day you could hear seven or eight languages.”

Despite having spent only his first six years in the city of his birth – the family emigrated to Manchester in 1911 and Canetti came back only once for a visit in 1915 – Ruse and its unique multilingual and multicultural atmosphere at that time left a lifelong mark on the future writer.

A small book in Bulgarian language with the title In Ruse with Elias Canetti (В Русе с Елиас Канети) sheds additional light on this early period of Canetti’s life, family background and social surrounding.

In the middle of the 19th century Ruse had developed into a thriving city. Located at the Danube it had by then attracted a lot of trading activities and the port of Ruse was the main artery through which goods were imported and exported from and to the whole region. An additional boost to the economic development was the fact that Ruse had a fast-growing Jewish (Sephardic) community which was one of the driving forces for Ruse’s modernization; this together with a general economic boom in the then revived Bulgarian state (until the Russian-Turkish War 1877-78 it had been part of the Ottoman Empire for almost five hundred years) made Ruse the then most modern and truly European city in Bulgaria.  

The authors give us interesting information about the origin and growth of the Jewish community in Ruse and trace back also the family background of Canetti’s parents. Grandfather Elias Canetti (the namesake of little Elias) came from Adrianopel (Edirne) to Ruse and became a successful trader, first with his partner in Constantinople, later on his own. He reigned his firm and his family like a benevolent despot, a true family man that cared a lot for his grandchildren and particularly his oldest grandson Elias; but at the same time he expected that his sons gave up on their own plans and would be part of the future family business with branches in all other important Bulgarian cities.

For Jacques, young Elias’ father, this was a source of permanent inner conflicts – he was a talented violinist and dreamed of a career as a musician in a chamber quartet. Also Mathilde, his wife and Elias’ mother, was a talented amateur musician (she played the piano); there are photos that show the parents as musicians in a public concert in Ruse. Another photo shows Jacques, then a dashing young man, in a carnival costume – both parents who had spent years in their youth in Vienna loved the theatre and literature, things for which Grandfather Canetti had not much interest and which he might have considered at best as harmless hobbies, but as nothing serious.

Beside this latent conflict between Jacques and Elias Senior, another quite open conflict clouded the childhood of the future Nobel Prize winner. Mathilde’s family, the Arditis, were against the marriage of their youngest daughter with Jacques Canetti. The Arditis, one of the oldest and high-ranking Sephardic families could trace back their origin until the 13th century when some of their ancestors were astronomers and doctors at the courts of the Kings Alfonso IV and Pedro IV. After 1492, the family settled in Livorno and later in the Ottoman Empire, where several of their members became famous rabbis, kabbalists and scientists; the Arditis were among the first Jewish families in Ruse and looked down on Elias Senior and his family as upstarts, who had just arrived from the Orient and were no match for the famous and cultured Arditi family. One of the remaining (and traumatic) memories of his early childhood in Ruse was for Canetti a visit in Grandfather Arditi’s house. This grandfather, who never paid much attention to Elias and never gave him a present, asked his grandson on one occasion, which of his grandfathers he loved more – Grandpa Canetti or Grandpa Arditi. When the poor boy said “Both!”, he was immediately called a liar and hypocrite by his maternal grandfather. 

One of the most interesting chapters for me was the one on the artistic talent of Canetti’s parents, especially that if his father. Ruse had quite an active social and cultural life, and much of it was initiated and kept alive mainly by its Jewish citizens. Ruse has a beautiful theatre that regarding its size and architecture could be as well in Vienna or Budapest. During Ruse’s best times, many famous international troupes visited the Danubian city, the same goes for many musicians and orchestras. There were amateur theatre groups and concerts that raised funds for the education of poor but talented Jewish children, the Bnai Brith Loge played an important role in the social fabric of the Jewish community, and there were also some of the first Zionist organisations in Bulgaria which had their headquarters in Ruse. Other chapters cover the donations made by Canetti’s grandfather and father, the efforts of Jews from Ruse to support the war effort in the Balkan Wars and WWI, either as soldiers or by financial support. Another short chapter describes how Canetti learned some folk rhymes and stories from young Bulgarian peasant girls, stories he later found again in a German book about Bulgarian fairy tales and folk stories and that left obviously a deep impression on him. Philately, the role of the different newspapers in the Canetti household (in Ladino and in German), and the comet Halley are also covered by short but instructive chapters.

The Orator is the title of the longest chapter of the book, and it deals with Canetti’s relationship with one of the most colorful members of the Canetti-Arditi family, Elias’ cousin Benjamin ‘Bubi’ Arditi (Canetti calls him ‘Bernhard’ in a letter addressed to him that is reproduced in the book). Bubi, just a few years older than his cousin, was for some time a strong influence for Canetti and he is explicitly mentioned in the second volume of Canetti’s autobiography Die Fackel im Ohr (The Torch in My Ear).

After Canetti’s parents moved to Manchester with their three sons (Elias, Nissim and Georges), Elias saw his cousin during both visits in Bulgaria; in Summer 1915 in Ruse and in 1924 in Sofia. During this period Bubi had became a fervent Zionist and public speaker. Elias was so impressed by his cousin who engaged himself with all his energy in something much bigger than himself, a cause for the Jewish community, that we find traces of The Orator also in Masse und Macht and in his Aufzeichnungen. For a short time, young Elias seemed also to have considered to become a Zionist. Bulgarian Jews were in those days frequently targeted by the terrorist IMRO (today this extremist right-wing political party that is still proud of its criminal and antisemitic origin and which propagates quite openly violence against ethnic minorities and refugees is part of the Bulgarian Government!), that openly threatened to kill those who didn’t pay hefty sums to them; blackmail, collection of “protection” money and contract killings were the main financial sources of this “patriotic” group – today, being part of the Bulgarian government, they use means that are only slightly more subtle – that was in its high time considered the most ruthless group of assassins in Europe.  – When Canetti fell in Vienna under the spell of an even greater orator, Karl Kraus, this interest in Zionist politics faded away completely. 

The book reproduces several letters of Canetti to his cousin Bubi and to people in Bulgaria who got in touch with him in his later life. He found touching words for his attachment to Ruse and the importance of the city for himself and his development as a writer.

This small book is not only very informative, it is also an important document of the renewed connection of the writers’ birthplace with this extraordinary son of Ruse. Canetti’s daughter visited Ruse for the first time in 1998 and initiated together with Penka Angelova from the University Veliko Tarnovo and other supporters the International Elias Canetti Society, which is now very active to promote the literary work of Elias Canetti, and the values for which he stood. The three engravings that show Old Ruse and that were among Canetti’s most treasured belongings, are now back in Ruse – a donation by his daughter. And there is a chance that not only the former building of the trading house Elias Canetti (Senior) in Slavyanski Street 14 in Ruse will be revived, but maybe also that the author’s birthplace at Gurko Street 13 will be turned into a museum one day. (Interestingly, the English Wikipedia page about Canetti, claims that the building at Slavyanska is his birthplace – a building that the author has rarely ever entered, since it was an office and a warehouse, not a residential building.)   

While the book provided me with interesting, new to me information and is written with real love and devotion to the subject, I have to mention two points with which I had a problem.

The book contains many reproductions of photos and other documents; that’s a good thing since it adds considerably to the quality of the given information and makes the book even more interesting and readable. However – and this really unforgivable – the book mentions absolutely no sources of any of the photos and documents, and therefore also not of the owners of the copyright of these illustrations. That is highly disappointing and doesn’t correspond with the standard of a book publication; it is even infringing the copyright – something that is considered in Bulgaria unfortunately as no offence at all by many people. For me it is a question of honesty and intellectual integrity not to disregard in such a shameful way the intellectual property of others, and it is a real pity that such an otherwise recommendable book has such a very serious flaw. 

I had also a problem with a question regarding a detail in the chapter devoted to The Orator. Bubi Arditi, a lifelong supporter of the revisionist Zionist Vladimir Zeev Jabotinsky, the Irgun, and other right-wing groups, was also politically involved with the last Czar Simeon II (and later Prime Minister Simeon Sakskoburggotski).

Simeon launched a long time ago a campaign to depict his father Boris III as the “saviour” of the Bulgarian Jews during WWII, a claim that has been a long time ago discarded by serious historians. In the contrary, Boris III was the main Bulgarian responsible for the extermination of the Jews in the annexed territories in Macedonia and Thracia. I don’t want to go into the details here regarding this topic, but it is important to know that Bubi Arditi wrote a book that supports Simeon’s revisionist theory.

After referring Arditi’s position that Boris III was the “saviour” of the Bulgarian Jews and his blaming the “Jewish communists in Bulgaria” that they are liars, the book claims surprisingly that Canetti shared his cousin’s opinion on this question. But while there can be no doubt about the fact that Canetti rejected the communist system in Bulgaria with harsh words, he was never a supporter of the thesis that Boris III was the “saviour” of the Bulgarian Jews and the reproduced letter proves – if anything – the opposite. The rather ambiguous wording of the authors in this particular context leaves room for the interpretation that they think that Canetti shared his cousin’s opinion. But Canetti was never ever a supporter of revisionist ideologues and I was rather annoyed by this passage in an otherwise very recommendable text.   

P.S. In case you wonder, the French actor Pierre Arditi is also a member of the Canetti-Arditi family. His father Georges and Elias were cousins.

.В Русе с Елиас Канети

Veselina Antonova / Ivo Zheynov: In Ruse with Elias Canetti, MD Elias Canetti, Ruse 2016

Elias Canetti: The Tongue Set Free, Granta Books, London 1999, translated by Joachim Neugroschel 

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News from Retardistan (8)

“The enemy of my enemy is my friend.” That’s the credo of the overwhelming part of the Bulgarian anti-Communists – or possibly the part that makes the most noise. They seem to repeat this sentence to themselves like a mantra again and again.

You are a racist, an anti-Semite, a xenophobe, a revisionist, a fascist, a Nazi, a paid mouthpiece of a media tycoon, a scumbag that sends people with other opinions, or that oppose your lies and propaganda, death threats (either personally or via some of your more “robust” friends, who will let your enemy know that they will shoot him in the neck, or alternatively “break every single bone of his body”) – all is forgiven and forgotten as long as you are a good anti-Communist that condones the murder of a Russian diplomat and who is waiting rather hopefully for the assassination of the Russian Ambassador in Bulgaria, in order to organize a big feast and celebrate the future killer with poems. Dozens of “likes” in social media for your gleeful murder apology will be the consequence in Bulgaria, whereas in pluralistic and more democratic countries with a functioning law enforcement the penal code and the application of its instruments would be the result of such an outburst of depravity.

As long as the democratic anti-Communists don’t draw a clear line between themselves and SA-type “intellectuals” of the extremist right that would gladly practice any kind of violence against their enemies, if they just wouldn’t be such pathetic and impotent cowards, as long as the democratic right doesn’t draw this line, there will be no hope for the development of a democratic and pluralistic society in Bulgaria, and the never-ending story of “transition” and execution of the power by mafia groups will go on and on…

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Kommentar zu einem Nachruf auf Ernst Nolte

Ernst Nolte ist gestorben.

Von den Toten soll man gut reden oder dort, wo dies nicht möglich ist wenigstens respektvoll schweigen. Was allerdings vollkommen unakzeptabel, ja geradezu skandalös ist, sind Artikel wie der Nachruf auf Nolte von Lorenz Jäger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Während mit viel Empathie Noltes Lebensweg nachgezeichnet wird, wird seine höchst zweifelhafte Rolle im Historikerstreit nur in einem Nebensatz erwähnt, und seine jahrzehntelangen publizistischen Aktivitäten im neu-braunen Umfeld (Holocaustrelativierung, Verteidigung von Volksverhetzung und vieles mehr) als “Ungeschick” verharmlost – nicht ohne pauschal und anonym denjenigen, die wie Jürgen Habermas Nolte damals ein paar unbequeme Wahrheiten gesagt haben, “harte Angriffe” auf den Geschichtsrevisionisten zu bescheinigen, die Mitschuld an dessen Isolation (“Der Arme!” soll der uninformierte Leser wohl denken) hätten.

Vom Kapp-Putsch, der dem kommunistischen Umsturzversuch vorherging, von den zahlreichen politischen Morden der extremen Rechten nach Ende des 1. Weltkriegs, von der politischen Einäuigkeit der Justiz und politischen Institutionen zu jener Zeit hat Herr Jäger offenbar noch nie gehört, und zu schreiben dass Nolte derjenige gewesen wäre, der als Erster(!) ”den zeitlichen Vorrang der bolschewistischen Klassen-Vernichtungspolitik vor dem Holocaust” behauptet hätte, ist natürlich blanker Unsinn. Es genügte auch vorher schon ein simpler Blick in die Geschichtsbücher, um das zu wissen. Die Angriffe auf Nolte hatten einen anderen Grund, den Herr Jäger verschweigt. Oder schreibt er gar, was er schreibt wider besseres Wissen?

Offenbar hat Herr Jäger bis heute nicht verstanden, um was es bei dem Historikerstreit ging, und warum die Reaktionen auf Noltes geschichtsrevisionistische Thesen, die die Vernichtungsmaschinerie als simple Reaktion auf bolschewistische Verbrechen (und damit zumindest teilweise entschuldbar) darstellte, so heftig waren wie es dann der Fall war. 

Ein Nachruf auf einen der übelsten Geschichtsrevisionisten der Nachkriegszeit, der seinerseits Legendenbildung betreibt und versucht, die Leser in plumper Form zu manipulieren oder bewusst falsch zu informieren – das ist nicht der Qualitätsjournalismus, den ich von der FAZ erwarte!

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